Auti-Group e.V.
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Presse

Vertrauen in die Fähigkeiten der Autisten

Zehn Jahre Jazz mit der Auti-Group

 

Erst war es nur eine Idee: 2005 bot Sibylle Hartl aus Nürnberg gemeinsam mit ihrer Kollegin Andrea Anrich und der Jazz-Saxophonistin Daniela Steidle den ersten Musik-Workshop für autistische Menschen an, die ein oder mehrere Instrumente spielen. Dass daraus die Gründung der Autisten-Band „Auti-Group“ und ein zehnjähriges erfolgreiches Musikprojekt ent-stehen könnten, war damals noch nicht vorstellbar.

Zur Feier des Jubiläums der Band am 26. April 2015 um 11 Uhr im Nürnberger Kino „Casablanca“, Brosamerstr. 12, 90459 Nürnberg, lädt die Auti-Group alle Interessierten herzlich ein. Der Eintritt ist frei. Hier werden jazzige, sowie Rock- und Popstücke der Band den Vormittag zu einem Erlebnis werden lassen und vielleicht auch anderen Institutionen als Vorbild dienen, neue mutige Wege der Förderung von Autisten anzugehen.

 

Autismus-Expertin

Hartl ist Expertin, was Autismus angeht. Die Leiterin eines großen Kinderzentrums in Erlangen hat sich in vielen Jahren als Psychotherapeutin im Bereich Autismus weitergebildet und arbeitet in der Autismus Ambulanz in Nürnberg als Honorar-kraft. Sie leitet zudem seit Jahren Sozialtrainings für jugendliche Autisten, welche sie befähigen sollen, im Kontakt mit anderen Menschen besser zurechtzukommen. Eine ihrer Leidenschaften ist die Musik. Hartl ist seit 2000 als Saxophonistin Mitglied der Big Band Langwasser. Der Gedanke lag nahe, die Musik auch in ihre Autismus-Arbeit einfließen zu lassen.

Dass zahlreiche autistische Menschen ein gutes Gehör, oftmals sogar das absolute Gehör, und musikalische Fähigkeiten haben und sich mit Hilfe der Musik und des Rhythmus in ihren Gefühlen ausdrücken können, ist bekannt und wird auch weiterhin wissenschaftlich untersucht. Auch die Musiktherapie arbeitet mit diesen Erkenntnissen, dass vor allem Kinder beim aktiven Musizieren Beeinträchtigungen und Stereotypen überwinden und neue Handlungsmodalitäten kennenlernen, die sie in der Gesamtentwicklung weiterbringen. Der Workshop 2005 war auf jeden Fall ein voller Erfolg und auch ein Name für die Band war schnell gefunden: Auti-Group. Die Musiker waren mit großer Energie und ungeheurer Disziplin bei der Sache. Nach jenem Wochenende stießen auch neue Musiker zur Gruppe dazu.

 

Energie, Wille und Selbstvertrauen der Musiker

Dass 2015 alle jetzt schon zehn Jahre auf ihr Bestehen zurückblicken können, ist ein Erfolg aller Beteiligten, nicht nur der Leitung, die viel Vertrauen in die Musiker legte und sie zur Selbstverantwortung anregte, sondern auch der Musiker, die dieses Konzept über all die Jahre mittragen und gemeinsam ausgestalten. Zum einen geht es um Akzeptanz: Die Teil-nehmer so anzunehmen, wie sie sind und den Fokus dabei nicht auf Defizite zu legen, sondern ihnen unterstützendes Ver-trauen geben, dass sie es schaffen, in einer Band zu spielen. Für Autisten ist es bekanntermaßen nicht einfach im Kontakt mit anderen. Sie haben Probleme mit der Empathie, also erfühlen schlecht bis gar nicht, was andere fühlen. Es fällt ihnen auch schwer, Blickkontakt auf zu nehmen. Musik spricht eine andere Sprache, sie ist für viele Autisten zugänglich, sie wird von einem klaren Aufbau und Rhythmus bestimmt. Aber Musik einfach nur zu spielen reicht nicht, sie will auch gefühlt werden. Autisten können das mit ihrer speziellen Art der Wahrnehmung – die sie ja mit den anderen Musikern teilen. Das Konzept der Workshops setzt nicht an möglichen Einschränkungen an, sondern am Anders-Sein, am Besonders-Sein. Dieses Vertrauen in die Fähigkeiten der Musiker gepaart mit Entscheidungsmöglichkeiten bei der Stückauswahl erhöhte bei den Mitgliedern der Auti-Group die Disziplin und den Willen, die selbstgesetzten Ziele auch zu schaffen. Beim Spielen ent-stand und entsteht noch immer jedes Mal viel Energie aus der Gruppe selbst und die Musiker sind begeistert, wie gut es gelingt, dass alle mit den Instrumenten über die Musik aufeinander hören und aufeinander eingehen. So wächst auch ein Miteinander als Band und ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem großen Ganzen. Gerade weil Autisten diese Teilhabe zur Gemeinschaft so schwer fällt, ist es besonders faszinierend, von ihnen selbst zu hören, sie seien selbstbewusster und selbstsicherer geworden und viele Probleme, die sie sonst im Alltag hätten, seien bei den Workshops verschwunden.

 

Die Auti-Group gewinnt den Förderpreis InTakt 2010

Hartls Mut und Engagement ist es auch zu verdanken, dass sie sich mit der Auti-Group fünf Jahre nach der Gründung für den bundesweit ausgeschriebenen Förderpreis „InTakt 2010“ bewarb. Der Preis würdigte musikkulturelle Aktivitäten von und mit Menschen mit Behinderung. Die Energie und die Disziplin der Musiker mit Asperger Autismus überzeugte die Jury und die Auti-Group gewann die mit 3500 Euro dotierte Auszeichnung. Sie reiste zur Verleihung nach Dortmund, um auch in der Universität mit einem anspruchsvollen Jazzkonzert ein eindrucksvolles Zeugnis ihres musikalischen Könnens und Zusammenspiels abzugeben. Auch der Beauftragte der Bundesregierung in Berlin für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, staunte: Von Autisten erwarte niemand, dass sie mit anderen Menschen so richtig „InTakt“ kommen könn-ten, beim gemeinsamen Musikmachen sei jedoch alles möglich.

 


Pressetext der Auti-Group e.V. zum 10-jährigen Bandjubiläum, März 2015

 

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